Den folgenden Brief erhielt ich am Samstag, 13. Dezember 2003, per Einschreiben mit Rückschein. Ich gebe ihn hier, der Autentizität wegen, im eingescannten Original wieder:

Nun meine 1 Stunde später per Fax abgesandte Richtigstellung der vorgezeigten impliziten Unterstellung der/des unterzeichnenden "Rechtsanwälte":

RAe
Nüsslein, Sättler & Kollegen
z.Hd. Herrn Alfred Hummel
Harderstraße 11-13
85049 Ingolstadt
via Fax 0841 35955

Ihr Zeichen: Az: 2518/2003-5-HU
Ihr Datum: 12. Dezember 2003
Mein Zeichen:
Datum: 13. Dezember 2003

Sehr geehrter Herr Hummel,
Ihren Einschreibebrief mit Rückschein habe ich soeben erhalten und bestätige Ihnen hiermit zusätzlich den Eingang.

Zu der von Ihnen gegebenen Begründung, warum Sie mein Mandat niederlegen, stelle ich allerdings wie folgt richtig:

In keiner Weise hatten Sie während unseres Gespräches angedeutet, daß an meiner Sichtweise, daß der Stadt Geisenfeld vom Verwaltungsgericht in München per Urteilsspruch auf meine Kosten ein Lehrgang erteilt worden ist (den Geisenfeld, ausweislich der neuen Satzung, auch beherzigt hat), etwas falsch sei. Zwar mag die Kostenentscheidung, wie Sie schreiben, ,,rechtmäßig`` sein, ändert aber am sachlichen Ergebnis (ein pekuniärer Verlust für mich beim Erzwingen einer Satzungsergänzung in meinem Sinne) nichts.
Mit meinen (vielleicht wirklich häßlichen) Worten: Ein aus Privatmitteln finanzierter Lehrgang für die Verwaltung!

In der an diese Feststellung anschließenden Diskussion äußerte ich den Gedanken an Rolf Klemens Wagner. Sie gaben mir zu Verstehen, daß Ihnen dieser Name nichts sagt (offensichtlich hatten Sie zumindest in den vergangenen Tagen keine Nachrichten gehört oder gesehen), und auch mein ,,Hint`` mit der ,,APO`` (der ,,außerparlamentarischen Opposition`` in den 68er Jahren des vergangenen Jahrhunderts) weckte in Ihnen offensichtlich keine Erinnerung. Schließlich erkannte ich auf Ihr junges Alter und nannte mit ,,Baader-Meinhof-Gruppe`` (das dürfte die richtige und mir bekannte Schreibweise sein, zumindest liefert Google dafür 18600 Treffer, während Ihre Schreibweise nur auf 481 kommt) einen Begriff, von dem ich vermutete, daß er auch Ihnen bekannt sei.

Wir kamen dann bald von diesem Thema ab und vereinbarten, daß Sie eine Aufforderung an die Stadt Geisenfeld senden wollten, nun alsbald den bei mir fehlenden Stromanschluß herzustellen. Zu diesem Thema hatte ich Ihnen dann gestern abend noch ein Fax mit einer Kostenaufstellung gesandt.

Nun zurück zu Rolf Klemens Wagner und die APO:
Rolf Klemens Wagner war vor vielen Jahren zu (nach meiner Kenntnis) lebenslanger Haft verurteilt worden wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und (nicht eindeutig nachgewiesenen) Mordes an Hanns Martin Schleyer. Wagner wurde vor Kurzem, nach wohl 25 jähriger Haftverbüßung, von Herrn Rau begnadigt und in diesen Tagen aus der Haft entlassen (laut ARD, ZDF und Sonstigen).

Rolf Klemens Wagner entsprang der 68er Generation, einer Generation, in die ich hineingewachsen bin, wenn ich auch, weil einige Jahre zu jung (anders als Schily, Joschka Fischer, Rudi Dutschke u.v.a.m.), nicht direkt dazu zu zählen bin. Diese Generation war mit vielen Auswüchsen in unserem Lande nicht mehr zufrieden und hatte (wohl richtig, wie mein aktuelles Erleben zeigt und auch die derzeitige allgemeine ,,Politikverdrossenheit`` belegt) erkannt, daß sie nur mit außergewöhnlichen Aktionen noch etwas für unser Land erreichen konnte (siehe die damaligen Stundentenunruhen in z.B. Berlin und Frankfurt - ich selbst habe in Braunschweig studiert, wo diese Aktionen, wegen der dort mehr naturwissenschaftlichen Ausrichtungen, mit Wohlwollen verfolgt, aber nicht sehr aktiv unterstützt wurden).
Vielleicht ist Ihnen aus dem Fernsehen noch die lustige Begebenheit mit Fritz Teufel vor irgendeinem Frankfurter Gericht in Erinnerung (Richter: ,,Angeklagter, stehen sie auf`` - darauf Teufel: ,,Wenn's der Wahrheitsfindung dient``). - Das gibt Vieles von der in dieser Zeit gewachsenen Einstellung zu unserem Staat wieder.

Rolf Klemens Wagner, ein mißgeleiteter 68er, hatte nun 25 Jahre Zeit, über die Dinge nachzudenken, die er und seine Mitstreiter eigentlich erreichen wollten, und auch darüber, was damals falsch gemacht wurde. Und, nur um das klarzustellen, ,,Baader-Meinhof`` war nicht der richtige Weg!
Und Rudi Dutschke, der in Vielen Hoffnungen, aber auch Ängste weckte, und auf den dann ein Attentat verübt wurde, lebt (leider) nicht mehr.

Warum also nehmen Sie jetzt mein (nicht einmal ernst gemeintes, sondern nur der Verdeutlichung dienendes) Bemerken, mit Rolf Klemens Wagner über seine Gedanken zu (notwendigen!) Veränderungen in unserem Staat sprechen zu wollen, zum Anlaß, in der in Ihrem Brief gezeigten Form das Mandat niederzulegen?

Ich schreibe das Ihrer Jugend zu und akzeptiere hiermit. Offensichtlich war es mir in unserem gestrigen Gespräch nicht gelungen, das zwischen uns in dem beabsichtigten Verfahren notwendige Vertrauen und Verständnis aufzubauen.

Ihre Hinweise nehme ich zur Kenntnis und bedanke mich dafür. Es dürfte klar sein, daß es mir nunmehr praktisch nicht mehr möglich ist, einen anderen Anwalt für eine Berufung zu finden. Nachdem Sie mir aber verdeutlicht haben, daß eine Berufung nach der Satzungsänderung wenig Erfolgsaussichten hätte und zudem tatsächlich die Gefahr für mich bestünde, daß das Verwaltungsgericht den Streitwert nach dem Wert für Geisenfeld bemißt (die besagten 900.000 Euro, was letztlich der Auslöser für die ,,Rolf Klemens Wagner``-Idee war!), werde ich Ihrem Rat folgen und die VGH-Sache sein lassen. Stattdessen werde ich den dann wieder langen Weg mit erneutem Einspruch, Bescheid, Klage gegen Bescheid u.s.w. gehen.

Sinnvollere Möglichkeiten bietet unser Staats- bzw. Rechtswesen derzeit wohl leider wirklich nicht.

Ich habe den von Ihnen geforderten Betrag von 232,00 Euro heute an Sie angewiesen.

Mit freundlichen Grüßen

Bodo Rzany

Eine Antwort oder gar eine Entschuldigung habe ich bis heute (Mittwoch, 17. Dezember, 15:10 MEZ) (natürlich?) nicht erhalten.
Es wäre auch schade gewesen, hätte eine Entschuldigung doch verhindert, daß ich Sie via Internet von dieser irgendwie recht lustigen Begebenheit in Kenntnis setze.